Arte Ensemble, Dominique Horwitz

13. April 2018, 20 Uhr

Max-Reger-Halle Weiden

Instrument / Musiker
Violine

Kathrin Rabus

Fagott

Malte Refardt

Posaune

Emil Haderer

Kontrabass

Albert Sommer

Klarinette

Guido Schäfer

Trompete

Matthias Höfs

Schlagzeug

Andreas Boettger

Erzähler

Dominique Horwitz

Komponist / Werk
Erwin Schulhoff
Suite für Kammerorchester
Béla Bartók
Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier
Igor Strawinsky
Die Geschichte vom Soldaten

Not lehrt Einfachheit. Dies erfuhr Igor Strawinsky in den Kriegsjahren 1917/18, als er am Genfer See einige Monate verbrachte, die „zu den schwersten gehören, die ich durchgemacht habe“. Die russische Revolution zerriss die Verbindung zur Heimat. Viele Theater hatten schließen müssen. Selbsthilfe war geboten: eine Wanderbühne, die auf gut Glück durchs Land zieht und mit einem Minimum an Mitwirkenden ein Spiel mit Musik aufführt, welches gelesen, gespielt und getanzt wird. Gemeinsam mit dem Dichter Charles Ferdinand Ramuz und dem Dirigenten Ernest Ansermet fasste Strawinsky diesen Plan. Es entstand L´Histoire du Soldat, uraufgeführt 1918 in Lausanne – ohne den erhofften Erfolg.

Das Sujet, ein russische Märchen, hatte Strawinsky nach Art russischer Jahrmarktsspiele konzipiert. In dieser „Schaubuden-Komödie“ begnügt sich der Komponist mit einem skurrilen Ensemble, bestehend aus Violine, Kontrabass, Trompete, Klarinette, Fagott, Posaune und Schlagzeug, das die einzelnen musikalischen Formen, von zeitgenössischen Modetänzen über Jazz bis zum Choral in geistvoller Weise karikiert.

Einem Soldaten auf Wanderschaft lauert der Teufel auf, spielt mit ihm Katz und Maus, lässt ihn reich und wieder arm und sogar zum Geliebten der Prinzessin werden. Als der Soldat am Ende dennoch seinem Heimweh nachgibt und gegen den Bannspruch des Teufels verstößt, holt ihn der Teufel doch. Es ist ein bitteres Märchen ohne versöhnlichen oder gar erlösenden Schluss.Zentrale Gestalt ist der Erzähler: Er kündigt die Geschichte an, er liest sie vor, er spielt mit und er fordert schließlich sogar den Soldaten auf, sich gegen den Teufel mit List zu wehren. Seine Rolle spannt sich von der teilnahmslosen Ankündigung über den nüchternen Bericht bis hin zum Eingreifen in die Handlung. Dass für diese tragende Rolle der unvergleichliche Schauspieler Dominique Horwitz gewonnen werden konnte, unterstreicht den Rang dieses besonderen Abends.

Béla Bartok hat seine „Kontraste“, ein Auftragswerk Benny Goodmans, 1939 geschrieben bevor er als überzeugter Antifaschist in die USA ins Exil gegangen ist.  Der Titel „Kontraste“ bezieht sich auf Klang und Ausdruck. Klanglich sind die beiden Oberstimmen in typischer Weise individualisiert: die Geigenstimme durch Akkordgriffe, Arpeggi, Flageolett, Pizzicato und Tremoli, die Klarinette durch Kantabilität und volkstümliche Thematik. Das Klavier erfüllt die Funktion eines perkussiven Klanggrundes. Der Ausdruck folgt der ungarischen Folklore: ein Werbetanz (Verbunkos) und ein Schneller Tanz (Sebes) in den Außensätzen, eine „Entspannung“ (Pihenö) im Mittelsatz.

Erwin Schulhoff (1894 in Prag geboren, 1942 im Konzentrationslager Wülzburg gestorben) wurde früh von Antonin Dvorak gefördert. Kompositionsschüler war er u.a. bei Max Reger. In den „Roaring Twenties“  interessierte er sich besonders für Jazz. 1921 schrieb er seine Suite für Kammerorchester. Nach einem drastischen, fast obszönen Prolog über seine Inspirationsquellen „... Sekt und Weib ...“ erklingen raffinierte Tänze wie Ragtime, Valse Boston, Tango, Shimmy, Step und Jazz. Andreas Tarkmann hat diese frechen Stücke für die Besetzung der Geschichte vom Soldaten bearbeitet. In dieser disparaten Instrumentierung wird die Drastik dieser Tänze noch auf die Spitze getrieben.

Dr. Harald Roth

 

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