Piotr Anderszewski

10. Mai 2019, 20 Uhr

Max-Reger-Halle Weiden

Instrument / Musiker
Klavier

Piotr Anderszewski

Komponist / Werk
Johann Sebastian Bach
Aus „Das wohltemperierte Klavier II BWV 870-893"
Präludium und Fuge C-Dur BWV 870
Präludium und Fuge As-Dur BWV 886
Präludium und Fuge dis-Moll BWV 877
Präludium und Fuge H-Dur BWV 892
Präludium und Fuge Es-Dur BWV 876
Präludium und Fuge gis-Moll BWV 887
Robert Schumann
Sieben Klavierstücke in Fughettenform op. 126
Ludwig van Beethoven
Sonate für Klavier Nr. 31 As-Dur op. 110
Moderato cantabile molto espressivo
Allegro molto
Adagio ma non troppo. Fuga: Allegro ma non troppo

Piotr Anderszewski gehört zu den prominentesten Pianisten seiner Generation und ist in allen großen Konzertsälen dieser Welt regelmäßig zu Gast. Er konzertierte mit den Berliner Philharmonikern, dem London und dem Chicago Symphony Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die er auch selbst vom Klavier aus leitete. Rezitale führten ihn alle bedeutenden Säle der Welt. Der Regisseur Bruno Monsaingeon drehte für ARTE zwei preisgekrönte Dokumentarfilme über ihn.

„Der Perfektionist Piotr Anderszewski ist ein genialer Selbstzweifler. Dabei ist sein Spiel über alle Skepsis erhaben“, schreibt Dorothea Walchshäusl in CRESCENDO. Sein Repertoire ist eher schmal. An den Werken arbeitet er lange und intensiv, um seinem hohen Anspruch einigermaßen nahe zu kommen. Im Konzert aber sollte „eine Interpretation so sein, als würde die Musik im Moment des Spiels neu erschaffen“.

Werke von Joh. Seb. Bach, Robert Schumann und Ludwig v. Beethoven werden am 10. Mai 2019 in Weiden erklingen.

Bachs Wohltemperiertes Klavier (BWV846–893) ist eine Sammlung von Präludien und Fugen für ein Tasteninstrument. Teil I stellte Bach 1722, Teil II 1740/42 fertig. Jeder Teil enthält 24 Satzpaare aus je einem Präludium und einer Fuge in allen Dur- und Molltonarten, chromatisch aufsteigend angeordnet von C-Dur bis h-Moll. Die erfinderische Phantasie bei jedem dieser Werke ist schier grenzenlos. Möglich war dieses Projekt erst nach Einführung der „wohltemperierten Stimmung“, denn je weiter entfernt von C-Dur, desto „verstimmter“ klang die entsprechende Tonart auf einem Tasteninstrument in der bis dahin üblichen „mitteltönigen Stimmung“, so daß die Komponisten diese entfernten Tonarten mieden.

Sechs Präludien und Fugen aus dem zweiten Buch bilden den ersten Teil des Konzerts.

Nach der Pause wird er die „Sieben Klavierstücke in Fughettenform op. 126“ von Robert Schumann spielen, da er zu der Überzeugung gekommen ist, dass dieses Werk Bachs Wohltemperiertes Klavier im 1. Teil musikalisch viel ausgewogener mit der späten Beethoven-Sonate im 2. Teil des Konzertes verbindet. Der schon schwer erkrankte Schumann wandte sich gegen Ende seines Lebens zunehmend der Kontrapunktik Joh. Seb. Bachs zu. Die Messe op. 147 und das Requiem op. 148 enthalten ausgedehnte kontrapunktische Abschnitte. Aus Verehrung für den Meister komponierte er eine Klavierbegleitung zu Bachs Sonaten und Partiten für Violine Solo und ebenso zu den Cellosuiten. 1853 schrieb er seine „Sieben Klavierstücke in Fughettenform“ op. 126, in ihrer Verbindung von strenger Fugenform und romantischem Charakterstück bewegende Zeugnisse für das kompositorische Schaffen des von Krankheit gezeichneten Komponisten.

Beethovens letzte Klaviersonaten gehören zu den größten Werken der Weltliteratur. Nach einem weitgehend gescheiterten privaten Leben sind diese Sonaten geprägt von „Ergebenheit, inniger Ergebenheit in dein Schicksal“ (Beethoven). Eine neue vorgegebene Formen überwindende Freiheit des Komponierens prägt dieses Spätwerk, das von den Zeitgenossen kaum verstanden werden konnte. Von wildem Aufbegehren (op. 106) bis zu tiefster Resignation (op. 110) reicht die emotionale Palette. Mit Beethovens vorletzter Sonate in As-Dur (op. 110) beendet Piotr Anderszewski beziehungsreich das Programm. Der elegische erste Satz steht im Umfeld von „sehnen, seufzen und sich ergeben“. Nach einem kurzen Allegro im zweiten Satz beginnt der Schlußsatz mit einem ausführlichen instrumentalen Rezitativ „Klagender Gesang“überschrieben und mündet dann in eine Fuge. Im Gegensatz zur wilden Fuge in op. 106 schlägt diesmal Beethoven mildere, abgeklärte Töne an. Wie nun die „objektive“ Fugenform in Subjektivität umschlägt, das zeigt der Vergleich mit Bachs Fugen vom Beginn des Konzertes.

 

Dr. Harald Roth

 

 

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