Sestetto Stradivari

7. Februar 2020, 20 Uhr

Max-Reger-Halle Weiden

Instrument / Musiker
Violine

David Romano
Raffaele Mallozzi
Marlène Prodigo

Viola

David Bursack

Violoncello

Diego Romano

Kontrabass

Sara Gentile

Komponist / Werk
Richard Strauss
Streichsextett aus der Oper „Capriccio“ op. 85
Arnold Schönberg
Streichsextett op. 4 „Verklärte Nacht“
Johannes Brahms
Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36

Eine der ältesten musikalischen Institutionen ist die Accademia Nationale di Santa Cecilia in Rom. Das traditionsreiche Orchester der Accademia ist unter der Leitung von Antonio Pappano al Chefdirigent zu einem Orchester von Weltrang geworden. Sechs Musiker daraus haben sich 2001 zum Sestetto Stradivari zusammengeschlossen. Ihr einzigartiges Zusammenspiel, geprägt von Harmonie und spürbarer musikalischer Leidenschaft, legte den Grundstein für eine zunehmend erfolgreiche internationale Karriere. Ein fabelhaft klangvolles Programm werden wir zu hören bekommen am 7. Februar 2020.

Zunächst ein Werk von Richard Strauss. Seine letzte Oper „Capriccio“ (1942) beginnt mit einem Streichsextett, in dem kammermusikalisch die Wirren um das Thema „Prima la musica, dopo le parole“ geschildert werden – was ist wichtiger in der Oper: Text oder Musik? Die Oper ist im französischen Rokoko angesiedelt, die Musik ist von fast neoklassischer Luzidität im typischen Altersstil von Richard Strauss.

Ein gänzlich anderes Kaliber ist das Streichsextett op. 4 „Verklärte Nacht“ (1899) von Arnold Schönberg. Der Partitur vorangestellt ist ein Gedicht von Richard Dehmel. Es beschreibt den Gang eines Paares im Mondschein, bei dem die Frau ihrem Liebhaber gesteht, dass sie ein Kind von einem anderen erwartet. Dabei trifft sie auf großmütiges Verständnis bei dem Mann, der das Kind als eigenes annehmen will.

Dieser schwüle fin-de-siècle-Text animierte Schönberg zu einem der faszinierendsten Werke der Kammermusik. Die spätromantisch tonale Klangsprache fußt harmonisch stark auf Richard Wagners Tristan, greift aber auch zurück auf Brahms` Verfahren, thematische Arbeit durch permanente Weiterverarbeitung kleinerer Motive zu ersetzen. „Entwickelte Variation“ nannte Schönberg dieses Prinzip.

Johannes Brahms schrieb zwei Streichsextette von ungewöhnlicher Klangschönheit: mit 26 Jahren das op. 18 in B-Dur und mit 30 Jahren das op. 36 in G-Dur. Warum gerade op. 36 deutlich seltener gespielt wird, ist kaum verständlich, steht es doch an Einfallsfülle und an Stimmungsreichtum dem ersten Sextett in nichts nach. Ganz im Gegenteil, es ist kammermusikalisch feiner gearbeitet, trotz großartiger Steigerungen immer durchsichtig, jede der sechs Stimmen ist wesentlich am musikalischen Geschehen beteiligt. Ein Meisterwerk!

Das Sestetto Stradivari wird bereits am 6.November 2019 im Stadttheater Amberg ein Konzert geben. Für Kammermusik-Enthusiasten besteht also die Möglichkeit, zwei weitere große Sextette zu hören: das 1. Streichsextett in B-Dur op. 16 von Brahms und Tschaikowskis klangprächtige „Erinnerungen an Florenz“.

Dr. Harald Roth

 

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